Mein Jakobsweg - Menschen und Kulturen kennenlernen und voller Erwartung, was kommt ...
Ab 15. Juni 2026 bin dann mal weg ....
Ich reise mit der Bahn über Köln, Brüssel, Paris, Dax, Byonne bis nach Saint-Jean-Pied-de-Port und gehe ab 17. Juni 2026, fast 25 Jahre auf den Tag genau, an dem Hape Kerkeling den selben Weg beschritt, auf den Jakobsweg - den Camino Frances, rund 800 km. Drückt mir die Daumen, dass alles gut klappt und ich nach ca. 32 Etappen und gut 1,5 Monaten in Santiago de Compostella ankomme.
Ich versuche Euch über diese Webseite etwas auf dem Laufenden zu halten, Euch ein paar Bilder und Videos bereitzustellen und ein wenig über meine Eindrücke und Erfahrungen zu berichten. Gerne könnt Ihr auch Eure Kommentare hier aufnehmen. Ich freue mich.
Buen Camino.
Mein (kurzer) Reisebericht
Tag 0 (-7) - 08.06.2026
Es ist schon eine Weile her, an dem der Wunsch bei mir aufkam, einmal den Jakobsweg zu gehen. Und dann kommt der Zeitpunkt, an dem man für sich die finale Entscheidung trifft und im Familienkreis und
anderen davon erzählt. Und dann ist der point-of-no-return da.
Seit mehreren Monaten plane ich jetzt den Jakobsweg, lese viel hierüber (vielleicht zu viel), trainiere hierfür (es dürfte eigentlich etwas mehr sein), tausche mich mit Freunden/Bekannten aus,
erhalte auch immer wieder nützliche Tipps. Die Reiseutensilien liegen alle bereit - viel Gepäck für 6 Wochen, natürlich der Pass, der Wander-Guide - und auch die Jakobsmuschel darf nicht fehlen. Ich
bin gespannt, erwartungsvoll, schon etwas aufgeregt, interessiert, neugierig. Und auch wenn man alles sorgsam geplant hat, irgendwie kommt es dann doch anders. Nur noch eine Woche bis zum Start der
Reise.
Tag 0 (-1)
Ich habe viele liebe Worte per Telefon, WhatsApp und Brief erhalten. Glück- und Segenswünsche, die mir Kraft und Stärke und Durchhaltevermögen geben sollen; die aber auch den Wunsch nach Selbstfindung, innerer Stärkung und den Blick für Natur, Mensch und die vielen kleinen Dinge im Leben ausdrücken. Danke dafür. Die Familie kam noch einmal komplett zum gemeinsamen Kaffee und kleine Geschenke, Glücksbringer gab es auch. Abends noch das 7 : 1 bei der WM und Pizza. Natürlich mussten auch noch bis Samstag die Einen oder Anderen kleinen Dinge zu Hause und der Schreibkram erledigt werden. Soweit (fast) alles geschafft.
Achja. Und umgebucht habe ich auch noch kurzfristig. Auf Ratschlag meines alten ehemaligen Kollegen und Experten für den Jakobsweg starte ich schon am 16. Juni und bleibe nur einen halben Tag in Saint-Jean-Pied-de-Port. Dafür übernachte ich im Refuge Orisson auf ca. 800 m, hab dann schon einige Hööhenmeter hinter mir und teile somit die schwere 1. Route über die Pyrenäen. Eine meiner größten Sorgen erledigt. Danke Detlef! Und soviel zum langen Vorausplanen. Meist kommt es doch anders. Und jetzt kann es losgehen.
Tag 0: Montag, 15. Juni 2026, Anreise
Morgens früh um 7.00 Uhr ging es los. Über Königswinter, Köln, Paris bis nach Saint-Jean-Pied-de-Port, über Orte und Städte, die ich vorher noch nicht gehört hatte. Nach mehr als 12 Stunden war ich dannendlich da. Immer am Zweifeln, ob ich den nächsten Anschlusszug bei 4 Umstiegen auch erreiche. Nunja, der letzte Zug von Bayonne ans Ziel fiel wegen "Ausfall der Ausrüstung" nach Google-Übersetzung gänzlich aus. Dafür brauchte der kurzerhand bereitgestellte Bus fast die doppelte Fahrtzeit. Der TGV nach Dax (kennt wahrscheinlich niemand) war dann auch noch eine richtige Bazillenschleuder. Hinter mir eine arch hustende ältere Frau, vor mit ein 6 Monate altes Kind mit Pseudokrupp und Schnupfen und von überall im oberen Stockwerk eines gefüllten Zuges Husten und Niesen - warum auch immer. Und bei ca 1.100 km Luftlinie von Königswinter nach Saint-Jean-Pied-de-Port und ca. 1.400 km Zugstrecke, sagt ChatGPT, sind doch 12.50 Stunden ok, oder?
Tag 1: Dienstag ,16. Juni 2026, Saint-Jean-Pied-de-Port nach Orisson. 7,41 km, 662 bergauf
Ich habe bereits mehrere Anfragen erhalten, ob ich heute, am 18. Juni, noch immer am Ausgangsort verweile, aus welchem Grund auch immer. Nein, ich hatte leider teilweise wegen schlechtem Internet, Problemen beim Editieren über Tablet etc die Möglichkeit, die Seite zu aktualisieren. Und machmal war ich abends einfach platt. Ich werde daher ab sofort jeden Tag zumindest aufzeigen, ohne viel zu schreiben, wo ich gerade gelandet bin. Also, macht euch keine Sorgen um mich. Und überdies lassen sich über das Tablet leider manche Bilder nicht korrekt drehen - also stört euch nicht daran. Muss ich dann später zu Hause am PC korrigieren.
Nach der Anreise am Montag habe ich mir noch abends ein wenig das kleine Städtchen Saint-Jean-Pied-de-Port angesehen. Wunderschön gelegen vor den hohen Bergen der Pyrenäen, malerische Gassen und alte Gebäude, Türme und die Zitadelle. Und irgendwie was mit Pilgern, was man vielleicht neben den vielen Hinweisen auf den Camino am Meisten dadurch erkennt, dass bereits um 21 Uhr niemand mehr auf der Gasse ist und die meisten Restaurants und Bars bereits geschlossen sind. Man muss ja morgen ganz früh raus auf den Camino.
Morgens um 7.45 Uhr zum Pilgerheim, registrieren, informieren und den ersten Stempel in den für alle Pilger so wichtigen Pilgerpass, den man wie den eigenen Augapfel schützt, abzuholen. Die liebe Denise aus Irland als freiwillige Helferin für mehrere Wochen hat das vorzüglich gemacht.
Wie gesagt, hatte ich die gute Entscheidung getroffen, die erste Route zu splitten. Was sich im Nachhinein als wirklich gute Entscheidung herausgestellt hat. Mein Ziel Orisson, nur ca. 8 km entfernt. Doch diese Strecke hat es insich, insbesondere am ersten Tag. Es geht über die gesamte Strecke bergauf, teilweise steil und steinig. Das kostet viel Kraft und Überwindung - und viel Schweiß.
Orisson war auch deshalb auch eine gute Entscheidung, da man dort alle die Pilger erstmals auf einem Haufen getroffen hat, die man auf den folgenden Kilometern immer mal wieder kurz oder auch intensiver trifft, den Weg teilt oder bei einem kühlen Bier wiedertrifft. Beim abendlichen Essen mit Kartoffelsuppe, Bratenscheiben und Gemüse konnte sich jeder kurz mit Namen, Herkunft und Beweggründe für den Camino vorstellen. Natürlich klappt es bei einigen nicht mit Englisch. Dafür war dann unsere Pamela aus Kroatien da, die aus französisch, italienisch und spanisch übersetzen konnte. Und nebenbei bemerkt, kann sie auch noch gut deutsch.
Gut, die Übernachtung in einer quasi Holzkiste mit einer Gardine ist nicht das Optimalste. Aber gemeinsam zu essen und zu trinken, sich zu unterhalten, war wirklich gut. Und absolut international. Deutsche kann man an einer Hand abzählen. Viele Pilger aus den USA, Dänemark, Schweden, Kroaten, viele Spanier und Franzosen, von weit her aus Süd-Korea oder Ausralien. Das macht den Camino aus und besonders.
Tag 2: Mittwoch, 17. Juni 2026 ,Orisson nach Roncesvalles, 18,3 km, 783 m bergauf und 627 m bergab
Geschafft. Ich habe die Pyrenäen bezwungen. Meine große Sorge vor der Reise. Mann, bin ich froh, gut und heil über den Berg gekommen zu sein.
Objektiv betrachtet eine wunderschöne Route mit vielen schönen Fotomotiven, von denen ich nur ein paar zeigen kann. Nur, der Schweiß , der hinter so manchem Bild steckt, ist leider nicht zu erkennen.
Nach einer etwas unruhigen Nacht, Mama Italia meinte noch bei ihrer 16 jährigen Tochter in deren Bett Schlafgeschichten erzählen zu müssen und dann, als sie sich bemühte, in ihr eigenes über ihr zu krabbeln, ging das Licht wegen des Bewegungssensors ständig an und aus. Bernie aus Liverpool wollte auch ganz früh weg, was er schlussendlich nicht tat, aber 5.30 Uhr musste er uns trotzdem alle wecken. Mein Schlafwert auf meiner Uhr um 6 Uhr war so niedrig, dass ich noch bis 10 Uhr hätte schlafen müssen, um an mein erwünschtes Ergebnis zu kommen.
Letztlich hat das alles wieder der tolle Sonnenaufgang wett gemacht. Pure Sonn über den Bergen und im Tal weit unter uns der aufsteigende Nebel. Anschließend packen, kurzes Frühstück und los geht es.
Die Stecke: kontinuierlich bergauf, immer in der Hoffnung, dass die 1.484 m irgendwann erreicht sind. Aber auch hier der Blick in die Täler, die grasenden Kühe, Schafe und Pferde, die alle mit Glocke frei herumlaufen. Das ist schon etwas besonderes, auch wenn man bedenkt, dass das keine Hobby- sondern Nutztiere sind, die irgendwann einmal in der Pfanne oder Wurst landen.
Was gibt es noch an Besonderheiten, die ich auf den Bildern darstelle: Marienstatue, Rolandsquelle, Grenübertritt von Frankreich nach Spanien.
Der Abstieg nach Roncesvalles auch nicht von schlechten Eltern, obwohl ich den abgemilderten, aber längeren Umweg gegangen bin. Das schont Füße und Knie.
Völlig erschöpft und ausgelaucht, durstig und verstaubt bin ich dann nach ca. 6,30 Stunden angekommen, um mir meinen Stempel im Pilgerpass abzuholen. Erkenntnis für die nächsten Tage: Wasser, Wasser, Wasser. Ich denke, ich kann garnicht so viel und schnell trinken, wie ich ausschwitze.
Tag 3: Donnerstag, 18. Juni 2026, Roncesvalles nach Zubrini, 22,6 km, 421 m bergauf und 854 m bergab
Morgens früh, Wecker um 5.30 Uhr, schnell den Rest im Rucksack, den ich abends zuvor schon gepackt hatte, verstauen. Insbesondere meine Wäsche, die leider im Hotel partout nicht trocknen wollte. 6.00 Uhr Abmarsch. Nachdem ich noch kurz in der aktuell geöffneten kleinen Kapelle der Abtei war, traf ich draußen Cara, eine Frau aus Colorado, USA. Gleiche Schrittgeschwindigkeit wie ich - ich bin nicht so schnell wie manche, die selbst bei steil bergauf fast hochlaufen oder über steinige oder Schotterwege fast scheinen zu fliegen. Aber es hat gepasst und wir sind von Anfang bis Ende die Route gemeinsam gelaufen, fast 7 Stunden. Eigentlich wird hier auf dem Camino fast nur Englisch gesprochen, mit Ausnahme einiger Spanier und Franzosen. Er ist nunmal sehr international. Und so auch Cara und ich Konversation in Englisch über fast die gesamte Zeit, die dann einfach schneller vorbei geht, besonders wenn jeder etwas zu erzählen hat.
Die Wegstrecke anfangs toll flach durch Wälder und kleinere Orte, dann wieder steil bergauf, bis es dann später wieder steil bergab geht. Ich weiß nicht, für was ich mich hier mehr begeistern soll. Toll auch, dass es unterwegs kleinere Foodstopps oder Cafes gibt, wo man wieder etwas Auftanken kann, Kraft, Engergie und ganz besonders: Flüssigkeit.
Zubiri selbst, ein kleines Dörfchen, einen Lebenmittelladen, ca 12 qm groß, schließt um 5 Uhr, einem kleinen Imbiss mit sehr eingeschränkter Speisekarte, einer Kirche und einer bekannten historischen Brücke, die Puente de la Rabia, die über den kleinen idylischen Fluss Arga führt. Schön, dass meine Pension mit kleinem Garten, auf dem ich endlich meine Wäsche zum Trocknen hinhängen konnte, direkt an den Fluss grenzte und ich nach getaner Arbeit endlich baden gehen und mich abkühlen konnte. Am Fluss haben sich dann auch gleich einige Pilger zusammen gefunden, um im schönen, kühlen und klaren Wasser ihre schmerzenden Glieder zu lindern. Man kennt sich ja zwischenzeitlich.
Abends gabs dann noch in der Kirche "Prayer", anschließend noch etwas essen und dann ab ins Körbchen. Wie gesagt, da wo Pilger sind, geht nicht lange und laut Party, da man noch die Wunden des Tages leckt und dann müde ins Bett fällt, weil man ja morgen wieder sehr früh aufstehen muss und an die Strapazen der langen, heißen und anstrengenden Route denkt. In diesem Sinne auch gute Nacht.
Tag 4: Freitag, 19. Juni 2026 Zubiri nach Pamplona, 22,01 km, 457 Höhenmeter, 525 m bergab
Morgens wieder um 5.30 Uhr raus und 6 Uhr auf die Piste. Weitere Pilger sind bereits auf dem Weg, über die historische Brücke und dann ab in die Wälder., schön vor der Sonne geschützt. Teilweise sind die Waldwege für die Pilgertour sogar gepflastert, meine Hochachtung. Und in Pamplona kann man den Weg auch nicht verpassen, da alle 5 Meter eine Muschel im Pflaster eingelassen oder riesengroß aufgemalt ist. Doch es gibt auch Stellen, ich liebe sie (nicht), da gibt es nur einen Trampelpfad, links und rechts Gras, Gestrüpp und noch besser Brombeersträucher. Die tun dann mal so richtig weh auf der Haut. Und komisch ist auch, dass diese engen Pfade parallel uber Kilometer zum normalen Weg veelaufen, der sichtlich einfacher zu laufen wäre. Die Landschaft ist sehr schön und es gibt im Gegensatz zu Deutschland ganz viele bunte Schmetterlinge. Und leider wieder hohe Aufstiege mit dem darauf folgenden Abwärts, worüber sich manche Knie so nicht recht freuen können. Und dann trifft man noch auf ein Pferd, namens Rudolf, mit der Reiterin Mia aus Tschechien, die bereits mehrere Caminos hinter sich haben. Sie befinden sich auf dem Weg nach Saint-Jean-Pied-de-Port mit mehr als 1.000 Kilometern auf dem Pferderücken.
In Pamplona angekommen, erste Bekannte aus der Pilgerschar getroffen. Doch nein, nur Vorstadt und dann noch einmal 90 Minuten durch die Stadt durch den Park, über die alten Brücken, an der historischen Stadtmauer vorbei ins tägliche Getümmel - es ist ja Freitag, Wochenende. Die Temperaturen steigen, weil schon Mittagszeit. Ich war froh, dass ich im Hotelzimmer bevorzugt ein Zimmer vor Checkin-Zeit und eine 1 Liter Mineralwasserflasche bekam. Ich muss schlimm ausgesehen haben. Dann erst mal Badewann - endlich. Und natürlich Wäsche waschen, wie immer.
Und wenn man einmal in Pamplona ist, will man auch etwas von der Stadt sehen. Die Stadt bereitet sich bereits auf Hochtoureen auf die mehrtägige Fiesta Encierro vor, mit dem morgendlichen Stierrennen durch die historischen Straßen und den anschließenden Stierkämpfen. Wie jedes Jahr im Juli. Überall gibt es Souvenirs bis hin zur kompletten Ausstattung als Mozos, weiße Kleidung, rotes Halstuch und rote Baskenmütze. Es ist aber einmal interessant zu sehen, wo dies alles stattfindet, da man aus den Nachrichten ein falsches Bild von den Örtlichkeiten hat. Dann einkaufen und schlafen. Morgen geht es wieder früh raus.
Tag 5: Samstag, 20. Juni 2026 Pamplona nach Puente la Reina, 23,991 km, 515 Höhenmeter, 587 m bergab
Morgens früh fast ganz alleine in der frühen Stunde um 6.00 Uhr in Pamplona. Menschenleer, bis auf ein paar Pilger, die sich auf den Weg stadtauswärts gemacht haben. Einige Hundebesitzer, die mit ihrem Liebling Gassi gehen, Spuren der Verwüstung von Pizzakartons, Einmalteller, Essensresten, an denen sich die Raben und Tauben erfreuen. Morgens ist es noch verhältnismäßig kühl, so bei 20 Grad. Die Temperaturen rasen jedoch mit aufsteigender Sonne schnell auf 30 Grad um 9.30/10 Uhr und mittags auf 39 Grad. Und dann dieser Weg nach Stadt und Vorstadt die ersten Berge hinauf. Zahlreiche Pilger nehmen beim ersten Foodstopp ihr kleines Frühstück ein. Von unten sieht man weit oben am Berg Windräder stehen und hofft, nicht dort hochgehen zu müssen. Aber genau das passiert und es kommt noch schlimmer. Fast kein Schatten den Weg hoch hinauf und die Sonne brennt vom Himmel herab. Wie häufig habe ich mir auf diesem Weg (und auch auf den weieren) die Frage gestellt, warum unser lieber Jakob immer über die höchsten Hügel gehen musste und nicht den einfacheren Weg durchs Tal. Aber so ist es nunmal. Entlang von riesigen Getreidefeldern kommt man oben auf der Höhe an und hat einen wunderschönen Ausblick. Vorher noch einer etwas dehydrierten und recht aufgeregten spanischen Frau Wasser gegeben, die um etwas Wasser bat. Die Metallskulpturen auf der Spitze des Berges, die Alto del Perdon, die Darstelljng der Pilgerreisen über viele Jahrhunderte, lädt für viele Selfies ein - so auch ich.
Was wir eben den Berg hochgegangen sind, an den Windrädern, geht es jetzt fast genauso runter. Wie gesagt: Ich verstehe es nicht. Es ist steinig und unbefestigt und bei einigen Pilgern zeigen sich Knieprobleme. So auch bei Kim aus Spanien, mit dem ich einige Kilometer gemeinsam gewandert bin. Nach anfänglicher englischer Kommunikation stellt sich heraus, dass wir auch deutsch miteinander sprechen können. Er hat für seine Promotion in Robotic in Stuttgart und Berlin gewohnt. Im Tal wird schon kräftig gefeiert. Mit übergroßen Menschenfiguren und Musik geht es durch die Straßen zum Festplatz. Zeit noch eine kleine Pause zu machen, oder besser doch nicht. Nein ich hab mich etwas zeitlich verkalkuliert, zu viel Pause, zu langsam beim Auf- und Abstieg, zu viele Fotos von Landschaft und Schmetterlingen. Das ist schlecht und wie vielleicht gewollt, 2,5 km vor Puente la Reina hab ich mir dann völlig erschöpft in Obanos eine Unterkunft gesucht. Ausgestattet mit einer Flasche mit stark gechlortem Leitungswasser wurde ich von der älteren Dame des Hauses in ein völlig überhitztes Zimmer gebracht. Der Ventilator hat hier auch nichts mehr genutzt. Schön war die anschließende Abkühlung im hauseigenen Swimmingpool, nach Duschen, Wäschewaschen und was man halt so jeden Tag macht. Der freundliche Sohn hat mich dann auf Wunsch nach Puente zum Einkaufen gefahren. Musste sein, da der Folgetag ein Sonntag war und kaum Geschäft offen hatten. Kurz ein Bierchen und etwas zu Essen und dann mit dem Taxi zurück in die Pension. Nur soviel. Schlecht geschlafen hab ich richtig. Um 1.45 Uhr starteten die Obaner (oder wie man die Dorfbewohner nennt) ein Feuerwerk. Und als ich morgens das Fenster vollständig öffnete (wegen der Stechmücken) merkte ich, dass es draußen mindesten 15-20 Grad kälter war als in meinem Zimmer. Nunja, aber es muss weitergehen.
Tag 6: Sonntag, 21. Juni 2026 Puente la Reina/Obanos nach Estelle, 17,88+8 km, 468 Höhenmeter und 430 m bergab.
Nun, da ich ja letzte Nacht mdhr aus Versehen 2,5 km vor Puente la Reina gelandet war, musste ich morgens früher raus. 2,5 km sind bei meinen morgendlichen Schritten ca. 30 Minuten. Später kann das dann auch maleine Stunde dauern - da kommen wir noch zu. Ich hatte eine schlechte Nacht - das hatte ich ja schon geschrieben. Auf den Fotoszu sehen: immer wieder historische Brücken, schön anzusehen. Meine Lieblingsplätze sind neben dem Hotel oder Pension am Zielort und die schattigen Foodstopps und Cafes, bei denen es Kaffee und frisch gepressten Orangensaft gibt: Autobahnunterführungen. Ja, richtig. Sie sind kühl und schattig und manchmal kommt auch mal ein Lüftchen durch. Ein brühendheißer Tag mit 40 Grad. Die Sonne geht durch die Wäsche und brennt aufder Haut. Die gehtöcke kann man nicht mehr richtig anfassen, da heiß. Das Einzige, was zählt, Wasser und Schatten.
Aber es gibt auch schön Sachen. Menschen mit ihrdn Geschichten. Gut manches Mal schwieriger, zum Beispiel bei einer jungen Ukrainerin. Sie trägt das Bil ihres im Krieg gegen Russland getöteten Neffen nach Santiag de Compostella. Oder Fernando, ein Mann aus dem nahegelegenen Ort, der mich bei seinem Spaziergang auf Spanisch ansprach - ich muss wohl schlimm ausgesehen haben - und mich darauf hinweisen wollte, dass ich bei dieser Hitze vorsichtig sein sollte. Hier hilft der Google-Live-Übersetzer, der es uns einfach machte, miteinanderzu ko munizieren. Fernando ist schon einige Caminos gelaufen und erinnert sich auch an Bilbao, wo er wdgen des heßen Wetters durch die Hölle gehen musste.
Ja, es war heiß und zu heiß und zwischenzeitlich mittags. Nicht jeder hat so einen schönen undsicherlich hilfreichen, jedoch etwas lästigen, und dann noch knallroten Schirm wie Sören aus Deutschland. Also beschloss ich, die letzten 8 km mit dem Bus zu fahren. Der Aufwand und die Zeit in Spanien Buszu fahren, rechtfertigt die 8 km in jedem Fall.
Mein Zimmer, bewusst auf Grund der Erfahrung der letzten Nach nicht mit Ventilator, sondern mit richtiger Klimaanlage ausgestattet, war kühl, ruhig und komplett digital. Keine Person, die die Anmeldung macht und einem den Zimmerschlüssel in die Hand drückt. Nein alles digital. Infos per Whatsapp, die letzten 4 Stellen meiner Mobil-Nr. als Eingangscode, Aktivierung einer App für das Öffnen der Zimmertür mit dem Handy. Toll, zumindest für mich, der sich gerne mit solchen modernen Dingen beschäftigt.
Klassisch-historisch wurde es danach. Kurzer Trip durch die leere Stadt - wer geht auch um 17 Uhr bei noch immer 40 Grad raus?? Dann noch etwas lecker essen und wieder ins Bett mit einer hoffentlich kühleren und angenehmeren Nacht als zuvor.
Tag 7: Montag, 22. Juni 2026 Estella nach Los Argos, 22,65 km, 475 Höhenmeter und 447 m bergab
Wie gut, dass ich so viele Bilder gemacht habe. Ansonsten wüsste ich heute, ein paar Tage später nicht mehr, wo ich an diesem Tag war, was überhaupt war und was es zu erzählen gibt. Ich weiß noch nicht einmal, wo ich vor ein paar Tagen war. Es geht alles so rasendschnell an mir vorbei. Ich habe jetzt schon so viele Übernachtungen hinter mir und konnte mir Städte und Orte jeweils nur kurz ansehen und dann am nächsten Tag weggewandert zum nächsten Ort. Und die Städtenamen konnte ich mir sowieso immer ganz schwer behalten. Aber auch auf dieser Reise geht es wieder einiges Erzählenswertes. Zum Beispiel der Brunnen Fuente del Vino am Ortsausgang von Estelle. Hier kann man sich entweder Wasser oder auch Wein abzapfen bis das Fass dann leer ist. Da steht man gerne etwas länger. Einige machen es wie vorgesehen und trinken den Wein aus einer Jakobsmuschel. Andere haben sich gleich eine ganze Literflasche zum Auf- und Abfüllen mitgebracht. Leider war ich doch etwas zu früh und der nette Mitarbeiter hatte das Fass noch nicht angeschlossenen. Wahrscheinlich gut so.
Morgens hatte ich eine Schocknachricht erhalten, dass mein Zimmer in Los Argos überbucht worden sei und man sicherlich noch eine andere Bleibe für mich finden würde.
Auch heute war es wieder heiß und die Landschaft zeigte sich leider ohne einen Schattenplatz. Da freut man sich über jedes Cafe, was einem entgegenkommt. Und ich glaube, ich habe noch nieeeee so viel wie hier getrunken. Gut, es kommt ja auch gleich wieder aus allen Poren heraus. Gut, dass ich vorsorglich mal einen Rucksacktransport beauftragt hatte. 13 kg weniger zu tragen, das hat was, oder?
Nach dem Duschen und kurzem Ausruhen gehe ich immer ein wenig durch die Stadt, in die kleinen Gassen und schaue mir die kleinen Lädchen an, immer mit einem Blick a) wo kann ich Flüssiges kaufen und b) wo könnte ich abends was essen. Und zumeist gehe ich auch in die abendliche Messe, die mit dem Pilgersegen abschließt. So in Roncevalles noch viele Pilger waren, werden es von Ort zu Ort immer weniger. Es ist, neben der kühlen Kirche ein Genuss das prunkvolle Innere der Kirchen zu sehen. Jede Kirche ist etwas Besonderes. Aber eines fällt auf: die Frauen sind die, die die Kirche hochhalten. Es sind fast ausschließlich Frauen im Gottesdienst, sie machen die Lesung, sie sammeln Kollekte und sie sind eifrig und stetig beim Rosenkranzgebet und bei der Lithurgie.
Und übrigens habe ich noch ein kleines und heißes Zimmer in Los Argos bekommen und eine Paella zum Abendessen.
Tag 8: Dienstag, 23. Juni 2026, Los Argos nach Viana, 19,01 km, 404 Höhenmeter, 379 m bergab
Wieder morgens früh raus. Eigentlich jeden Tag der gleiche Ablauf. Morgens früh raus, sehen, dass man seine 20-25 km hin bekommt, nachmittags Wunden lecken, Wäsche waschen, duschen, für den nächsten Wandertag einkaufen, neue Bleibe im neuen Ort suchen, Transportservice buchen, Abendessen, Stadt/Dorf erkunden, in die Kirche gehen, dann noch den wichtigen Stempel im Pilgerpass und dann Rucksack packen, schlafen. Check. Ich versuche eigentlich immer, wenn möglich in die Messe zu gehen, auch wenn ich nichts verstehe. Aber es ist einfach schön dort. Und einen Stempel, den es hier tatsächlich überall in Cafes, Übernachtungsmöglichkeiten und sogar Foodtrucks gibt, hole ich mir fast immer in der Kirche. Ich muss kein Stempel von irgendjemanden, den ich nicht kenne, haben. Ausnahme Dona Felisa am Ortseingang von Logrono, von der auch Hape Kerkelin in seinem Buch schreibt. Sie ist leider schon 2001 gestorben, aber die Tochter führt das im Sinne der Mutter weiter. Dort habe ich mir natürlich einen Stempel geholt. Ehrensache.
Häufig gehe ich die Wege ganz allein. Mal trifft man jemanden - indem ich meistens überholt werde - spricht miteinander und häufig merkt man, wenn der- oder diejenige schneller ist und weitergehen möchte. Aber auch, weil ich vielleicht zu alt und/oder zu langweilig bin. Egal. Aber es gibt auch tolle Begegnungen - ich berichtete ja schon. Ein neuer Freundschaftsvorschlag: Georg, braun gebrannt, blonde Haare, Vollbart aus Tennessee. Ich hörte wieder jemanden schnellen Schrittes hinter mir, aber ich hörte auch ein Singen. Das mache ich manches Mal auch. Ich fragte, was er so singe. Dann hat er mir christliche Lieder aus den USA vorgesungen, ich ihm dann welche aus Deutschland und anschließend wir zusammen - Oceans von Hillsong. Gerne wieder. Mal sehen.
Die lange, recht eintönige Strecke, neben Weizenfeldern hinter mich gebracht, kam ich dann in ein wunderschönes Örtchen namens Viana. Das hatte ich so eingeplant mit dem nächsten Ort, um nicht zu lange Strecken bei der heißen Sonne zu gehen. Die Altstadt ist wunderschön mit kleinen Gassen, Cafes, Restarant, einer imposanten Kirche und anderen historischen Gebäuden. Ich hatte mir ein tolles Hotel im Zentrum für günstiges Geld besorgt. Es gab Calamaris zu Mittag und später in der Pilgrims Oasis leckeren Kaffee, ein nettes Gespräch mit dem Inhaber, zwei älteren Französinnen und ein paar Austauschschülerinnen die im Pilgrims u.a. Dienst scheiben müssen. Dazu handgemachte Musik mit Stimme und Gitarre. Mann, die jungen Leute können heute wirklich nicht mehr singen.
Messe mit Pilfersegen, einen netten Plausch mit den Pastoren, von denen der Jüngere mal wirklich Englisch sprach. Und ab in mein Hotel - ich fühle mich wie ein Premium-Pilger, der nicht in Herbergen, sondern Hotels übernachtet. Ich versuche das jedoch auf ein gewisses Maß zu reduzieren. Damit ich nicht, wie Hauke aus Deutschland es sagte: zu einem Gucci-Pilger verwahrlose. Die Schuhe und die Stöcke zeigen nach mehr als 100 km Wanderung erste erhebliche Gebrauchsabnutzungen - also doch kein Gucci. Gute Nacht.
Tag 9: Mittwoch, 24. Juni 2026, Viana nach Navarrete, 13,46 km + 12 km, 286 m bergauf, 270 m bergab
Meistens kommt es anders als gedacht. Es hatte eigentlich alles gepasst. Toller Ort Viana, nette Gespräche und Treffen am Vortag, Essen, Trinken, Rucksack fertig gepackt und Hotel mit guter Ausstattung inklusive Klimaanlage. Und doch war alles anders als geplant, als ich morgens um 5.30 Uhr nach meinem Handyalarm ins Bad ging. Mir wurde auf einmal sehr schlecht, der Kreislauf war komplett am A... und ich musste mich erst einmal auf die Ablage hinter der Badewanne setzen. Ich schwitzte wahnsinnig und war nicht mehr in der Lage, aufzustehen und mich ins Bett zu legen. Nach gut und gerne 20-30 Minuten rappelte ich mich langsam auf und ging, eher schlich, ins Bett, nahm eine Vomex und schlief erst einmal. Was nun, Hotel in Navarrete und Transport des Rucksacks bestellt und ich lag jetzt da, halb wach, halb Schlaf. Dann stornierte ich per E-Mail den Transportservice und schaute in mich rein, was ich jetzt so machen sollte. Schlussendlich ging es mir so 11 Uhr wieder besser und ich entschloss mich, die Strecke bis nach Logrono zu gehen und die restliche Strecke mit dem Bus zu fahren.
Die 13 km waren echt anstrengend, wieder sehr heiß und ich wusste nicht, ob die Probleme mit dem Kreislauf bei der Hitze und bei Durst wieder auftreten. Ich schleppte mich mehr schlecht als recht die Strecke entlang, es gab ja auch nicht besonderes zu sehen. Die letzten Kilometer wurden mir "versüßt" durch Greg, einem Rechtsanwalt aus Oregon mit Voträgen über USA, Demokratie und Trump. Aber es war wirklich sehr unterhaltsam und interessant. Schön war auch die kurze Unterhaltung am Haus von Donna Felisa am Ortseingang von Logrono gelegen - eine Institution. Und der obligatorische Stempel in den Pilgerpass musste auch sein.
Mit dem Bus von Logrono nach Navarrete ist nicht so einfach, hatte das ja schon einmal erwähnt. Hier war es noch schwieriger, langer Weg in die Stadtmitte, dann an einer großen Kreuzung soll der Bus kommen. Die Kreuzung ähnelte einem Busbahnhof an allen acht Seiten - und es war eine große Kreuzung und es waren viele, sehr viele Busse. Und ich wurde den netten, hilfsbereiten Busfahrenden und -fahrern leider ohne Erfolg hin und her geschickt und das mindestens 20 Minuten. Zwischenzeitlich waren wahrscheinlich auch bereits viele Busse gefahren. Aber irgendwann klappt es dann ja auch mal.
In Navarrete angekommen. Auch hier wieder eine hilfsbereite Dame im Bus, die mir zu verstehen gab, als ich aussteigen wollte, dass ich noch sitzenbleiben solle. Ergebnis, ich musste die komplette Strecke bei Mittagshitze mit Gepäck zum Hotel zurücklaufen. Nunja, sie wollte ja nur helfen.
Aber Navarrete, ein schönes kleines Örtchen mit einer schönen Kirche und einem tollen Tapas-Restaurant direkt unterhslb, alles noch handmade und nur gegen Cash. Und dann später zurück zu Fuß den einen Kilometer zum Hotel, denn morgen geht es schon wieder weiter. Auf ein Neues.
Tag 10: Donnerstag, 25. Juni 2026, Navarrete nach Najera, 13,46 km, 286 m bergauf, 270 km bergab
Wieder ein heißer Tag, morgens früh vor 7.00 Uhr, die lange Landstraße entlang Richtung Najera. Morgens kann man noch früh gut und schell wandern, wenn die Sonne gerade erst mit dir aufgestanden ist. Ab 10 Uhr wird es immer heißer und wenn dann wenig Schatten ist, kann das ganz schön auf Birne und Boby gehen. Natürlich freut man sich auf die nächste Kaffeestation, muss jedoch häufig dafür vorger leiden, da es meist steil bergauf zum Ort geht. Da setzt zwischenzeitlich ein richtiger Wettbewerb ein. Es fahfen Leute mit Autos herum und verteilen kleine Werbezettel, oder es stehen Leute 100 m vor Ort und weisen darauf hin, dass das 2. Cafe im Ort das bessere sei und man das erste tunlichst meiden solle. Nun, man geht eigentlich immer dorthin, wo auch Pilger sind. Man kennt sich und tauscht sich aus.
In Najera angekommen, ein riesiges Kloster und eine schöne alte Kirche, kleine schmale Gässchen mit Cafes und Restaurants. Erst einmal ein Bierchen zum Durst löschen, dann Calamaris mit Fritten bestellt. Und natürlich hat sich der Kellner verhört. Ich wollte einen Teller mit den Ringen und Freis und nicht je eine komplette Portion. Zum ersten Mal in meinem langen Leben, dass ich meine Calamaris nicht aufessen konnte. Dann Registrierung fürs Hotel. Der Co-Chef geht die 100 m gleich mit zum Haus, kurz vorher noch im Kloster den schönen Stempel in meinen Pass abholen und dann bekomme ich alles bis ins Detail erklärt. Hinter Najera, also unmittbar vor meinem Hotelzimmerfenster bäumt ich ein riesiger roter Felsen auf. Sieht toll aus, wie eine Theaterkulisse.
Abends wollte ich noch gerne in die Kirche, die meist tagsüber geschlossen sind, dann noch um 19.00 Uhr ein Treffen mit Claudia und Hauke mit einem dreigängigen, eher etwas spärlichem Pilgermenü, von dem kein Pilger die lange Strecke überleben wird. Und wenn man Roja ist, auch noch zwei Gläschen Rotwein. Hier fragten mich beide, ob ich denn im Kloster gewesen wäre, was ich verneinte. Ich Doof. Ich dachte die von beiden geschilderte Attraktion wäre in der Kirche - daher wollte ich auch dort hin. Aber nein. Die ist im Kloster und das hat zwischenzeitlich zu. Dann halt beim nächsten Camino.
Tag 11: Freitag, 26. Juni 2026, Najera nach Santo Domingo de la Calzada, 15,73 km, 233 m bergauf, 252 m bergab
Es gibt Tage, an denen man sich fragt: Warum? Warum machst du so etwas? Warum setzt du dich diesen Strapazen aus? Wofür machst du das? Nun, ich kann diese Frage nicht beantworten. Es ist tief in mir drin, das ich das machen möchte. Warum auch immer. Und ich frage mich auch öfters mittags, wenn ich Zielort müde und erschöpft ankomme: Morgen früh wieder aufstehen, wieder so weit gehen? Der Körper tut einem weh - mal hier mal da, mal überall. Klappt das überhaupt morgen wieder zu wandern? Es erfordert starken Willen, dies immer wieder zu tun.
Aber es gibt auch tolle Ereignisse, mit denen man für all die Strapazen belohnt wird. Oder hat jemand schon einmal zwei Hühner in der Kirche gesehen. Das gibt es wirklich in Santo Domingo, in der Kirche, in der der Namenspatron beigesetzt wurde.
Am Anfang der Tour meinte es der liebe Gott gut mit mir - endlich mal ein wenig bewölkt, doch später kam die Sonne wieder zum Vorschein und verwandelte die Strecke mit den vielen Weizenfeldern links, rechts, vorne und hinten zu einem Brutkasten. Wieder heiß und wenig Möglichkeiten, sich im Schatten etwas abzukühlen. Da kommen einem die Kilometer doppelt solange vor wie normal. Ist man erst einmal am Zielort, freut man sich wie dolle. Schlecht für die Pilger ist immer, dass wenn sie dann ankommen, grrade die spanische Siesta anfängt, so ab 13.30- 17.00 Uhr - so genau nimmt man das nicht. Und dann gibt es nichts zu essen und nichts zum Einkaufen. Google hilft da manchmal auch nicht weiter, weil nicht korrdkt. Dann läuft und läuft man und steht doch vor verychlossener Tür, obwohl Google sagt "Offen".
Untergebrachr bin ich in einem Apparnent mit gemeinsamen Bad und gemeinsamer Küche. Endlich mal die Kleidung richtig in der Waschmaschine waschen und einen Kühlschrsnk gibt es auch. Toll, mal an Pilger gedacht. Nur, wenn man auf der Toilette sitzt, muss man aufpassen, dass nicht einer aus den beiden weiteren Zimmern hinein kommt. Denn jeder hat ja einen Schlüssel.
Die Kathedrale in Santo Domingo ist wirklich sehenswert. Dort ist das Grab des Namenspatrons und Helfers der Pilger. Doch zuvor über die 111 Stufen in den Glockenturm. Tolle Aussicht. Und, wie gesagt, schaut mal, ob ihr auf dem Foto die beiden Hühner seht und was die dort oben sollen. Kleine Fragestunde.
Tag 12: Samstag, 27. Juni 2026, Santo Dominco de la Calzada nach Belorado, 24,7 km, 410 m bergauf, 288 m bergab
Morgens wieder früh raus aus dem Appartment. Glücklicher Weise sind die anderen noch nicht wach und ich kann mich in Ruhe fertig- und auf den Weg machen. Zum Jakobsweg an der Kathedrale muss ich noch einige Meter gehen. Die Füße und die Achillessehnen schmerzen, aber es muss ja weitergehen und irgendwann hört das wieder auf - spätestens bis man dann am Zielort kaputt auf dem Bett liegt. Dann tut's wieder weh.
Ja, wieder heiß und wieder weite Felder und wieder keinen Schatten. Aber ich habe ab der zweiten Strecke zwei nette Begleierinnen. Joy und Reid aus Amerika. Reid hat mehrere Jahre in Deutschland gelebt und kann mir immer dann behilflich sein, wenn mir das englische Wort nicht direkt einfällt. Joy habe ich bereits in Orisson kennengelernt, und in der Nacht hatte sie eine Etage im Hochbett über mir geschlafen. Es ist immer interessant. Menschen, die man irgendwann einmal auf dem Camino kennengelernt hat oder, die in der gleichen Herberge geschlafen haben, tauchen urplötzlich wieder auf. Und manche sieht man dann immer mal wieder, andere tauchen komplett ab.
Ich schlafe mal wieder in der Herberge, in einem 6 Betten mixed Schlafraum mit 3 Hochbetten. Schon irgendwie komisch, aber irgendwie auch wieder witzig. Und natürlich - Joy und Leigh schlafen im gleichen Raum und dann noch John, ein Unternehmer aus Ungarn, den es auf der Strecke ziemlich gebeutelt hat. Er ist beim Fotografieren mehrere Meter den Abhang hinunter gestürzt, musste mit dem Krankenwagen gerettet werden und lang ein paar Tage im Krankenhaus. Seine Knöchel sehen nicht gut aus - aber weiter geht's. Das Hostel ist voll mit Menschen aus unterschiedlichen Ländern. Der Clou: ein kleines Schwimmbecken. Abends gemeinsames Essen im Hostel und 22.00 Uhr Licht aus und Ruhe. Ganz knallhart. Vorher haben wir noch mit einigen jungen Leuten gemeinsam gesungen, Beatles, Cat Stevens usw. Ich durfte dazu klampfen. War echt schön. Auf einen hoffentlich guten Schlaf. Gut, dass ich die exklusiven Ohrstöpsel vom DM-Markt mit dabei habe. Einfach toll und überlebenswichtig.
Tag 13: Sonntag, 28. Juni 2026, Belorado nach San Juan de Ortega, 22,65 km, 505 m bergauf, 224 m bergab
Die Nacht war schwierig, anfangs heiß und bis spät abends noch lautes Geschrei von groß bis klein aus einem nahegelegenen Lokal folgte morgens früh um 4 Uhr ein Temperatursturz, bei dem ich alles in meinem Rucksack bei nächtlicher Dunkelheit durchsuchte und anzug, was mir dort in die Hände kam. Morgens um 5 Uhr machten sich dann die ersten auf Tour. Man kann also nicht von einer ruhigen Nacht reden.
Draußen war es morgens kalt und es wurde noch kälter mit dem aufkommenden Nebel beim Aufstieg über die Berge. Gut, dass es vorher auf der Strecke die Möglichkeit für einen Kaffee gab. Die Kleidung fühlte sich richtig klamm an - hoffentlich gibt es keinen Regen. Mühsam der Aufstieg auf den Berg, kleine Fliegen zu tausenden, die nichts anderes vorhatten, als mir immer wieder ins Gesicht zu fliegen - die Säcke. Richtig unangenehm.
Auf der Strecke gesellte sich Jeroen aus Belgien teilweise dazu, blieb aber beim mobilen Foodtruck auf der langweilig und langen Wegstrecke im Wald zurück, um sich dessen Geschichten anzuhören. Runter nach San Joan de Ortega wurde es wieder brühend heiß. Ich wusste eigentlich nicht, warum der Camino durch ein solch kleines Nest von 20 Bürgern geht und was es mit dem lieben Joan so auf sich hat. Er hat den Camino unterstützt, hat Brücken bauen und Wälder für die Wege roden lassen. Also ganz wichtig für den Jakobswg und daher liegt er dort in einem kirchenähnlichen Gebäude begraben.
Von manchen lieben Menschen muss man sich dann jetzt auch verabschieden, da viele bis Burgos gehen und von dort nach Hause fliegen. So auch Speedy Ellie, die schnellste Wandererin, die ich je gesehen habe. Italienerin, lebt in Canada, eine total nette Type, die ich vor Logrono kennengelernt habe. Ohrhörer im Ohr und mit flottem Stechschritt mit ihren Gestöcken an einem vobei - mit ihr muss man einfach sprechen.
Nachmittags und abends im Restaurant etwas essen. Dem Restaurantbesitzer gehört glaube ich auch das Hotel, ein schönes und moderes Gebäude. Er besitzt damit mindestens 20% des Dorfs. Dann kommt ein Gewitter mit starkem Regen auf und hält uns alle im Haus. Nun, was will man sonst auch in diesem kleinen und beschaulichen Ort anderes machen. Die meisten sind weitergegangen. Gute Nacht.
Tag 14: Montag, 29. Juni 2026 San Juan de Ortega nach Burgos, 28,25 km, 292 m bergauf, 434 m bergab
Nach dem gestrigen Gewitter hat sich die Temperatur etwaa abgekühlt und es ist neblig. Ich kann mich im Hotel gemütlich fertig machen und meinen Rücksack zum Transportservice bereitstellen, den ich immer mal wieder an heißen Tagen und/oder längeren Distanzen nutze. Draußen ist es richtig kalt - wie immer trage ich eine kurze Hose, T-Shirt mit Unterhemd. Meine amerikanischen Freunde, eine sechsköpfige Familie Eltern, Großeltern und zwei Jungs ziehen sich vorsichtshalber einen Anorak an. Meiner ist im Rucksack, es geht aber auch ohne, muss ja.
Glücklicherweise regnet es nicht, es ist aber kalt und der Nebel lässt das auf der Haut noch deutlicher spüren. Aber warm wird einem schon wieder beim nächsten Aufstieg über eine Steingeröllmasse bis oben auf das Plateaux. Weit sichtbar und als Zeichen ein großes Kreuz. Dann wieder über Fels und Kies runter. Jörn begleitet mich. Vor Burgos eine Entscheidung: den kurzeren Weg auf der Straße am Flughagen rechts entlang, oder den Nicht-Camino links am Flughafen, auf normalem Weg, aber 5 km weiter. Ich entschließe mich für den sicheren, aber weiteren Weg. Und so komme ich, nachdem ich den kompletten Flughafen umrundet und den Park von Burgos durchquert habe, müde und erschöpft in Burgos an. Zwischenzeitig ist es wiederrichtig heiß geworden und auch mein Hunger ist dann der sogenannte Heißhunger.
Hier in Burgos herrscht schon eine tolle und ausgelassene Stimmung. Es ist die jährliche Feier für den Jünger Petrus und den Apostel Paulus am 29. Juni, die sogenannte Los Sampedros. Es ist ein riesiges, ausgelassenes Fest, das über eine Woche gefeiert wird. Überall in der Stadt und insbesondere um die Kathedrale Musik, Menschen in ihren Trachten, Essensstände, Singen, Lachen, Tanzen. Überall Blumengestecke auf der Treppe zur Kathedrale und eine riesige Madonna auf einem Blumenpodest vor der Kirche.
Neben einem spontanen Besuch beim Friseur, was unbedingt einmal sein musste, ist die Kathedrale in Burgos Pflicht. Ich könnte 100 Bilder über diese prächtige Kirche, ihren Hauptaltar, den Chorbereich und die vielen Nebenaltäre einstellen. Ein Besuch lohnt sich in jedem Fall.
Da ich am nächten Tag wieder früh aus den Federn muss, konnte ich leider an dem Hochfest Peter und Paul nicht bis spät abends mit dabei sein und das Feuerwerk um 23.30 Uhr konnte ich auch nur hören und nicht sehen. Egal, ist leider so. Ich muss mich auf meinen Marsch konzentrieren.
Tag 15: Dienstag, 30. Juni 2026, Borgus nach Hornillos del Camino, 22,08 km, 247 m bergauf, 292 m bergab
Morgens wieder früh aus meinem noblen Hotelzimmer zurück auf den tristen, staubigen Weg. Die Spuren der Nacht kn Burgos nach dem großen Volksfest werden gerade von städischen Mitarbeitern beseitigt. Es geht durch eine leere Stadt, hier und da werden Brötchen geholt und einige Männer stehen in einem kleinen Cafe und nehmen ein kurzes Frühstück ein. Die Kathedrale ist jetzt, wo niemand da ist, so mächtig und groß, ein glanzvoller Bau. Vorbei durch das alte Stadttor und raus aus der Stadt durch geschwungene Gassen, über die Brücke und dann ab auf Feldwege.
Die Wege wieder wenig schattig, sehr steinig und es gibt hier und da etwas zu sehen. Störche, die auf den Kirchturmspitzen ihre Jungen füttern, künsterische Wandbemalungen und alte Kirchen. In einer kleinen Kirche, die von außen eher unspektakulär aussieht, wartete eine ältere Dame auf Besucher. Mit voller Hingabe stempelte sie das Logo der Kirche in den Pilgerpass, segnete die Pilger und gab jedem voller Ehrerbietung ein paar Wünsche mit auf den Weg und überreichte einen kleinen, wunderschönen silberfarbenen Anhänger mit einem Marienbild, auf der Rückseite ein Marienmonogramm mit den Buchstaben A und M, das Kreuz und die 12 Sterne aus der Offenbarung 12,1 (sagt ChatGPT).
Unterwegs im ersten Cafe treffe ich die laute Laurel aus San Francisco, wie immer mit einem gellenden Ruf "Hey Beeeeernd". Wir frühstücken zusammen und gehen dann eine Weile zusammen den etwas eintönigen Weg. Ich kenne Laura bereits seit dem Weg nach Santo Domingo. Sie ist Lehrerin, gut gelaut, positiv und fast immer laut am Lachen. Sie ist weitaus schneller als ich und ich biete ihr an, nicht auf mich zu warten, sondern ihre eigene Geschwindigkeit zu laufen. Aber wie es der Zufall will: wir sind in der selben Herberge.
Nunja, man muss sich die Bilder ansehen, wie die Betten im Schlafraum angeordnet sind und man kann sich vorstellen, dass die Nacht mit Maximalbelegung 11 Personen nicht gerade ruhig vonstatten geht. Hier treffe ich auch wieder einmal einen Deutschen: Fabian aus Stuttgart, Anfang 30 und Architekt. Und auch John aus Ungarn taucht wieder wie Phönix aus der Asche. Es ist nett und einige werde ich in den nächten Tagen immer wiedersehen. Auch hier in der Herberge gilt: 22 Uhr Nachtuhe. Doch zuvor Wäsche waschen, einkaufen im gegenüber liegenden Tant-Emma-Laden, gemeinsames Abendessen und dann ab in die Quietsche-Betten.
Tag 16: Mittwoch 1. Juli 2026, Hornillos del Camino nach Castrojewitz, 21,7 km, 285 m bergauf, 303 m bergab
Irgendwie kam ich morgens nicht so ganz schnell aus den Federn. In unserem 10 Bett-Zimmer, glücklicher Weise war das nicht voll belegt, sind die ersten schon um 4 Uhr aufgestanden. Im Flur geht dann automatisch das Licht an, wenn die Tür aufgemacht wird. Es stört. John aus Ungarn meinte noch, dass er bis spät nachts am Handy sein müsste und mein netter amerikanischer Freund, der quer und damit fast Kopf an Kopf, getrennt durch ein klrines Regal lag, war die ganze Nacht am Sägen.
Dann gings los, den Hinterausgang des Hostels raus und auf die einsamen Straßen des Ortes hinauf an den Weizenfeldern vorbei. Am ersten Cafe waren nach gut 7 km schon die ersten Pilger. Man kennt sich zwischenzeitig. Es ist windig draußen und ich setze mich daher zu Laurel in die gute Stube, entschließen uns dann, auch ein Stück gemeinsam zu gehen. Wieder vorbei an Feldern, auf steinigen Wegen, dann eine schöne alte und doch modern eingerichtete Kirche mit Bibeln in unterschiedlichen Srachen vir einem kleinen Taize-Altar. Dann ein riesiges fast komplett verfallenes Kloster Conventa de San Anton. Die Ruinen deutet auf eine gewaltige Klosterkirche hin. Auch trifft ma sich mit Pilgern, die von einem Cafe zum andern pilgern.
Dann gdht es weiter nach Catrojeritz, ich fühle mich als wäre ich kn Polen und nicht in Spanien. Auch hier ein großes Kloster, das nur noch touristisch besucht wird. Es ist wieder knüppelheiß und dann trifft man sich noch einmal im Biergarten neben dem Kloster, bevor man die ca. 1,4 km noch bis zur Herberge absolvieren muss.
In der Herberge, dieses mal keine Hochbetten, sondern pfleglich 6 Einzelbetten schön im Raum verteilt. Gaby aus Holland neben mir. Abends wieder mal in einem typischen spanischen Pub mit WM essen und um 22 Uhr ist Einschluss. Da müssen dann slle da sein, im Bett liegen und Ruhe. Aber das wird eine Nacht, Bill aus den USA hat uns schon bek seinem Mittagsschlaf gezeigt, was der drauf hat. Nichts mit Ruhe.
Tag 17: Mittwoch, 2. Juli 2026, Castrojeriz nach Boadilla del Campino, 20,2 km, 294 m bergauf, 314 m bergab
Irgendwie kam ich morgens nicht so ganz schnell aus den Federn und mit dem Frühstück, das ich ausahmsweise mal mitgebucht hstte, ging es auch nicht so schnell. Und, wie vermutet, Bill und als Sopranstimme Kate aus den USA haben fast die ganze Nacht durchgeschnarcht - man hört doch immer ein wenig trotz der guten DM-Ohrstöpsel. Gleichzeitig bat unser spanischer Freund abends, der mit seinem Sohn auf Fahrrädern den Weg radelt, dass wir besser das Fenster zumachen sollten. Die wachen Wir schauten ihn unglaubwürdig an und versuchten ihm auf Englisch deutlich zu machen, dass wir das gerne anders hätten, weil zu heiß und kein Sauerstoff und so. Aber leider konnte er kein Englisch und das Fenster blieb zu. Zudem fingen wie auch die letzgen Tage morgens einige schon um 4.30 Uhr an, aufzustehen und ihren Rucksack zu packen. Und das geht dann bis zu meinem eigenen Erwachen nahtlos mit den anderen weiter. Kurz: Ich war wieder verständlicher Weise müde. Wer wäre das nicht?
Spät war auch an diesem Tag Laurel wegen Vorsorgung ihrer Füße. Und da schon alle auf dem Weg waren, blieb ihr nichts anderes übrig, als mit mir ein paar Meter zusammen zu gehen. Es war schön am Morgen, frisch, etwas kühler, toller Sonnenaufgang, bis zu dem Zeitpunkt, als vor uns auf einmal ein riesiger Berg auftauchte, den wir um diese frühe Morgenstund erklimmen mussten. Wir waren alle froh, als wir oben ankamen und bestätigten dies mit einem Bravo-Foto. Aber wie es so ist, oben windig und kühl zu dieser Zeit und danach darf es wieder steil bergab gehen. Da weiß man nicht, was man lieber tut, hoch oder runter.
Unterkunft, neben einem komplett überfüllten Hostel gab es nur noch ein Hotel im Ort. Das war mein zu Hause an diesem Tag und in dieser Nacht. Endlich wieder mal alleine schlafen, baden und solange aufbleiben, wie man will. Wollen ja, geht leider nicht, weil zu kaputt und müde. Abends gabs noch eine große Essensrunde, zu der die Bewohner des Hostels auch kamen. Nun, es gab ja an diesem Ort kein snderes Restaurant oder keine andere Bar. Ganz schön clever.
Schön auch die Störche oben auf dem Kirchturm, der direkt an das Hotel anschließt, morgens ganz früh hört man sie klappernm, die Klapperstörche, und nach dem Frühstück gabs Flugtraining mit den Eltern. Schön aus der Nähe anzussehen. Doch dann geht es wiedef on the road again.
18. Tag: Freitag 3. Juli 2026, Boardilla del Camino nach Carron de los Condes, 27,97 km, 257 m bergauf, 201 m bergab
Morgens wollte ich ganz, ganz früh raus. War in meinem Hotel gut aufgehoben gewesen und daher putzmunter. Also ging ich meines Weges. Die Sonne wachte auch so langsam auf und ließ mich schöne Morgenfotos machen. Entlang am Fluß, wo ein Einheimischer Flusskrebse aus seinen Netzen holte, an den Kanälen, die für die Bewässerung der riesigen Felder benötigt werden, über eine Schleuse hinweg. Alles noch sehr romantisch und schön. Das ändert sich aber von Stunde zu Stunde, wenn die Sonne heiß, ohne ein Wölkchen oder etwas Wind vom Himmel scheint. Dann werden auch die langen Wege ohne Schatten, häufig parallel zur Landstrasse, zu einer Höllenqual. Eigentlich freut man sich dann immer nur, wenn man in seiner Unterkunft angekommen ist. Und noch schlimmer - man fragt sich: warum machst du das, warum tust du dir so etwas an. Du weißt genau, dass du nachher nach dem Ceck-in und einer Dusche fertig auf dem Bett liegst und erst einmal von Nichts und Niemanden etwas wissen willst.
Mir wurde er bereits mehrmals staunend und begeistert angekündigt, der aktuelle Held des Camino. Markus aus Augsburg, ein schlanker Endfünfziger mit Vollbart, der von Beruf Sozialpädagoge ist und aktuell wegen des Jakobsweges ein Sabatical macht. Er hat sich bereits im April auf den Weg gemacht, von zu Hause, in den Süden zum Bodensee, über die Schweiz nach Frankreich bis jetzt auf dem spanischen Camino Frances 2.200 km gewandert ist. Er hat viel erlebt, hat viel zu erzählen, wir sind uns in vielen Punkten gleich - naja, mal davon abgesehen, dass er ein eingefleischter Bayern München Fan ist. Wir treffen uns beim Kaffee nach dem Besuch einer alten Kathdrale und gehen letzten 6 km in der brühenden Hitze zusammen und die Zeit vergeht echt schnell, da wir uns gegenseitig viel zu erzählen haben. Wir werden in den nächsten Tagen immer mal wieder zusammen gehen, auch wenn er dann immer einen Gang zurück schalten muss. Aber was tut man nicht alles für seinen Camini-Abschnitts-Gefährten.
Abends Kirche, auch wenn ich Nichts verstehe, da alles nur in spanischer Sprache, auch wenn ein Großtei Pilger doch englisch versteht. Aber es ist doch immer schön und die netten Schwestern singen wie Engelein zur Gitarre, anschließend geben sie jedem einzelnen den Pilgersegen. Und wer sich brav den Segen abgeholt hatm bekommt auch einen Stempel in seinen Pilgerpass, auf den jeder aufpasst wie auf seinen eigenen Augapfel.
Von Schlafen, trotz Hotel in Carron, einem wunderschönen, idyllischen kleinen Ort mit vielen kleinen Geschäften, ist nicht zu denken. Bei den Spaniern geht am Freitagabend immer die Post ab. Gut, viel und langes Essen, dabei extrem laut sprechen, nein, eigentlich mehr schreien, da jeder zur gleichen Zeit entwas sagen will. Und dazu lautes Lachen. Da ist einem um 23 Uhr, wenn man morgens früh aufstehen muss, echt mehr zum Heulen. Also Fenster zu, trotz überhitztem Dachgeschoss und hoffen, dass irgendwann mal Schluss ist und man das Fenster zum Atmen öffnen kann. Also: Gute Nacht.
19. Tag: Samstag 4. Juli 2026, Carron de los Condes nach Ledigos, 23,38 km, 210 m bergauf, 176 m bergab
Morgens trotz langem Treiben der spanischen Feierrunden bis 2 Uhr geht es wieder frph raus. Raus aus meiner kleinen Pension, die direkt am Camino liegt und an der bereits Horden von Pilgern durch das noch dunkle Städtchen mit den engen Gassen vorbeitreiben.. Meine alten Sangesfreunde aus Belarado waren auch schon auf den Beinen. Martin hatte ich zeitlich verpasst, da er früher unterwegs war. Klar, er hatte ja am Vortagmittag den Termin mit mir verschlafen und musste daher auch fit sein. Bei mir sa
h es leider anders aus, müde und gequält habe ich mich auf den Weg gacht. Noch mehr Getränke mitgenommen, da es hieß, auf gut 18 km gibt es keine Bar, kein Cafe oder sonst etwas - was sich nachher als falsch herausstellte und man sich fragt, warum man so viel Wasser mitgenommen hat, um eine ganze Kompanie zu versorgen. Aber an diesen Wassertränken, genannt Bar, Cafe oder Foodtruck, trifft man sie wieder alle, die man schon lange oder erst seit kurzem kennt und Pilger, die man hier erst kennenlernt. Denn ein Pilger kennt immer jemanden, den man selbst noch nicht kennt.
Entlang an Weiden Weizen. Feldern - hab ich in den letzten Tagen schon ausgiebig erzählt. Ist aber immer das Gleiche. Oh nein, es gibt das erste Mal Sonnenblumen, soweit das Auge reicht und die wenden sich der Sonne zu, wir hingegen eher ab, um einen Sonnenbrand oder Sonnenstich zu vermeiden.
Angekommen in def Herberge und richtig schön. Bar, Restaurant und Herberge, alles zusammen. Neben ein paar Häusern und einer Kirche, die nicht mehr als solche verwendet wird und die leider auch wieder geschlossen war, als ich sie besichtigen wolltem gibg es kn dem Dorf Nicht - sußer dieses Alles-in-Allem. Das Haus neu, ein geräumiger Schlafsaal, ein großer, gemütlich ud geschmackvoll eingerichteter Gemeinsachftsraum und eine schöne Wiese mittendrin. Auf Wunsch Massage, was ich mir mal für meine gescundenen Füße geleistet habe, natürlich kostenpflichtig. Anschließend Abendessen mit meinen Freunden mit gutem Essen und Wein - ein Vater mit seiner Tochter aus China gesellte sich dazu, konnte aber leider nicht viel mit uns sprechen, da er sehr wenig Englisch konnte. Dann wieder relaxen auf der Wiese und um 22 Uhr ruhe im Raum.
20. Tag: Sonntag, 5. Juli 2026, Ledgios nach Bercianos del Real Campino, 28,96 km, 294 m bergauf, 316 m bergab
Ich wollte ganz früh weg, wollte extra kein Frühstück einnehmen und erhielt dafür am Vorabend einen riesigen Beutel gefüllt mit Obst, Crossants, eine Flasche O-Saft sowie weiteren Kleinigkeiten. Wie das morgens so ist, man will die anderen im Schlafsaal nicht wecken - es dauert länger, bis man seine 7 Sachen eingepackt und dann noch einmal mit dem Handylicht alles abgesucht hat, ob nicht doch etwas liegen geblieben ist. Dann beim Schuhe-anziehen, den einen oder anderen getroffen - verquatscht. Pünktlich zu Frühstücksbeginn bin ich dann mit meinem Rucksack und dem Plastikbeutel als Nahrungsreserve für den ganzen Tag weg. Als ich dann das Frühstücksbuffet sah, staunte ich nicht schlecht: alles, was man sich so zum Frühstück vorstellen konnte, war aufgetischt über den komplette hintere Raumfront. Ich musste mich zwangsläufig richtig ärgern, dass ich dieses köstliche Frühstück jetzt nicht einnehmen konnte. Mit leerem und ärgerlichem Bauch zog ich los. Nicht weit entfernt, so 700 m und ich stellte fest, dass ich Hut, Rucksack und Freßbeutel bei mir hatte, nicht aber meine Stöcke. Also wieder zurück, mit noch etwas mehr Ärger, der sich dann koch verstärkte, als ich die anderen beim köstlichen Frühstück mit Kaffee sah. Und, als ich dann noch auf meine Uhr sah. Ich wollte eigentlich früh weg gegangen sein.
Der Weg eintönig, verblümt mit wunderschönen Sonnenblumenfeldern, schönen Wandmalereien und heiß.
Ein Trostpflästerchen an diesem Tag. In Sahagün habe ich die Hälfte des Camikos überschritten, dem Mitad del Camino, also die Stecke von 382 km. Hier gibt es auch im Ort die Möglichkeit, sich ein Zertifikat ausstellen zu lassen, was ich aber nicht gemacht habe.
Wie immer, wenn man in eine Stadt hinein kommt, ein riesiges, nicht endendes Industriegebiet, kilometerweit, bis man dann endlich die Stadt erreicht, einen Kaffee und etwas Schatten zu sich nehmen kann.
Dann in die Herberge nach weiteren Kilometern, müde, verschwitzt und ausgetrocknet. Dort ist schon Party angesagt. Die Mädels aus USA, Gaby aus den Niederlanden haben schon ihre Wäsche gewaschen und die kompletten Wäscheständer eingenommen, sodass man garnicht an Wäschewaschen denken kann. Die sitzen im Schatten, trinken genüsslich und spielen Uno - und das stundenlang. In der Bar im gleichen Gebäude laute, etwas nervige spanische Musik - nervig daher, da sie sich nach 1 Stunde immer wiederholt.
Hier treffe ich auch Klaus, ein Wegbegleiter von Markus, der auf meine Frage, woher er komme, lediglich sagte: aus dem Nordbadischen. Auf meine ergänzende Frage: und woher genau? Nun, zwischen Heidelberg und Karlsruhe. Gut, dann, will ich es nicht wissen. Aber nett ist er trotzdem.
Dann Einkauf für morgen, doch noch Wäsche waschen, einen großen leckeren Hamburger mit zwei Bier und ab ins Bett. Leider wollte niemand mit mir tausche, ich musste also das obere Bett über eine Leiter erklimmen, in der Hoffnung, dass ich nachts nicht heraus falle oder de gleichen mal auf Toilette gehen muss. Der Tagebucheintrag zeigt, dass ich noch lebe.Gute nachtum 22 Uhr, da schlafen die meisten schon wieder.
Tag 21: Montag 6. Juli 2026, Bercaianos der Real Campino nach Mansilla de las Mulas, 27,31 km, 166m bergauf, 221 m bergab
Nachts um 4 Uhr geht es in der Herberge los. Die ersten gehen schon. Ich hatte mich mit Markus und Klaus verabredet, die nächste Route gemeinsam zu gehen. Als ich dann endlich fertig war, standen die beiden schon bereit, ein wenig säuerlich, da ich noch immer nicht fertig war. Ich versprach, dass ich nächsten Cafe den Kaffe zahlen würde, was ich dann auch tat. Noch langsamer als ich, war lediglich John aus Ungarn, bei dem ich immer ein wenig das Gefühl hatte, dass er auch mal Taxi fährt, da er komischer Weise immer vor mir ankam, obwohl er mich nicht überholte und er immer nach mir wegging. Nunja. Ich werde es nicht ändern: ich bin ein Spätaufteher, der jetzt schon seit 21 Tagen gezwungen wird, um 6.00 Uhr aufzustehen.
Wie immer, morgens ein toller Sonnenaufgang, später wird es wieder knackig heiß und ich wundrre mich, dass Klaus mit den schnellen Schritten von Markus mit kommt, obwohl er auch schon 68 Jahre alt ist und im Gegensatz zu mir, der ich den Gepäcktransport favorisiert habe, seinen Rucksack selber trägt.
Nsch langen 27 km kommen wir endlich am Zielort an. Markus hatte den Tipp für die Herberge bekommen und mich dann mit angemeldet.Ein Raum mit4 Hochbetten - ich hatte glücklicherweise jetzt mal unten. Über mir Liz aus Frankreich, die auch schon über 1000 km gelaufen war.
Einkaufen und wieder mal Apotheke, um meinen dicken Zeh zu versorgen. Stichwort Zeh, der rechte große. Eine Woche vor Camino war ich bei einer Podologin, also eine medizinische Fußpflege. Im Februar war mir auf Weiberfastnach so ein Irrer in der Bahn auf den Fuß getreten. Komplett blau. Jetzt nach 4 Monten die große Frage: was machen mit dem Nagel, der sich teilweise gelöst hatte. Podologinsagt: abmachen. Wirklich? Ich gehe in einer Wochewandern. Kein Problem. Sie hatte Recht. Das war aber def linke große Zeh. Den rechten sollte sie sich mal anschauen, schnibbelte dann etwas mit der Schere,. Nein da ist Nichts, alles Ok. Zu Hause merkte ich, dass der Zeh am Nagel etwas blutete. Ok, kein Problem, dachte ich. Doch falsch. Bis heute, fast 4 Wochen noch immer ein Problem, das ich jeden Tag spüre, das jeden Tag behandelt werden muss. Na warte, wenn ich wieder zu Hause bin :-).
Essen und Fußball. Auch zweiwichtige Punkte an dem Tag. Erst einmal war due Küche belegt, da einige meinten sich ein 3 Gänge Menue herzaubern zu müssen. Da steht man, wartet mit knurrendem Magen und einem Knurren auf der Zunge. Markus hatte mich zum Essen eingeladen und Klaus schnipselte den Salat. Sehr schön, macht ihr beiden das. Es gab Spgetti mit Bolognese und Salat. Draußen im Freien, wir Dreien.
Fußball. Wir wollten das sehen. Spiel Spanien gegen Portugal. Doch wo. Nachfrage bei der benachbarten Bar bei einer jungen Dame, die vermeintlich alles verstanden hat, was ich gesagt habe: Yes. Gut, super. Wir, Markus und ich, los, mit zwei Spaniern im Trott. Ergebnis: No, die Bar hatte jetzt doch zu.... Nicht zu begreifen. Eine nette Nachbarin bot uns an, ihr Fenster zu öffnen, damit wir auf ihrern Fernseher schauen konnten. Aber wir lehnten ab, auch weil kein Bier. Der liebe Wächter der Herberge hatte uns leider nicht zugestanden, nach Spielende zu kommen und schwor uns auf die 22 Uhr ein. Wir fanddn ein schönes Lokal mit zwei großen Fernsehern und vielen Spaniern, die das Spiel laut und klastschend verfolgten. Nun, nach def ersten Halbzeit ging es bei 0 : 0 ins Körbchen in einem Raum, def einem Brutkasten ähnelte. Wie kann man da bur schlafen bei dieser Hitze und ich musst erst einmal um 23 Ugr für eine Stunde draußen sitzen und etwas trinken, bevor ich dann irgendwanneingeschlafen bin.
Tag 22: Dienstag, 7. Juli 2026, Mansilla de las Mulas nach Leon, 20,93 km, 234 m bergauf, 190 m bergab
Markus und Klaus wollten schon früh weg und ich habe mich dsnn alleine auf die Socken gemacht. Es war wie immer morgens. Leere Straßen, Ruhe, Vogelgezwitscher und ein toller Sonnenaufgang. Kurz etwas in der Herberge gegessen und dann raus. Ich habe mich schon sehr auf Leon gefreut. Eine große, interessante Stadt, mit vielen historischen Gebäuden und Shops. Shops? Ja, meine kurze Jeans ist so kaputt, dass ich mir eine neue Hose kaufen muss. Aber wie immer ist der Weg dorthin erst einmal weit und heiß. Unterwegs natürlich einen Kaffe, den ich brauche, um richtig wach und auf Touren zu kommen. Dann eine große Gruppe von Störchen im Gras, ganz nah bei mir. Der Morgenhimmel zeichnet wunderbare Bilder. Mit der aufgehenden Sonne und den wenigen Wolken. Später wird es dann wieder heiß und zu allem Verdruß führt der lange Weg unter, über und neben den vielen Autobahnen her, Leon ist als nicht mehr frrn. Denkste. Du siehst von der Höhe auf die Stadt und traust den Augen nicht, dass du noch 8 km gehen musst. Alles scheint so nahe, ist aber zu Fuß noch so weit. Durch die Vorstadt, dann endlich nach vielen Kilometern ein Hauch von Zentrum und trotzdem geht es noch weiter bis zum Endpunkt: die Kathdrale Santa Maria. Zwischendurch wieder mal eine Kirche, an def ich nicht vorbei gehen kann, wenn diese offen. Dann am Ziel. Pünktlich zum Mittagsgebet.
Anschließend in mein 400 m entferntes Hotel in dem alles über mein Mobil geöffnet, verschlossen, registriert etc. wird. Dann Besuch der Kathedrale mit ihren tollen Altaren und dem Chorraum. Muss man einmal gesehen haben. Draußen ein starker Sturm mit Gewitter, den ich dann später auch noch hatnah miterleben konnte, als Baugitter umfielen, Stühle und Tische über den Platz flogen und Menschen in die nahegelegenen Galerien und Bars flüchteten.
Dann Suche nach einem Begleitungsgeschäft für mich, nicht Schicki-micki. Es dauert, aber ich finde das Geschäft und einen kompetenten jungen Mann, der mir nicht nur auf Anhieb die richtige Hose brachte, sondern auch die Hose, die ich anhatte, als kurze Jeans abschnitt. Dann noch Essen für abends im Hotel kaufen - ich kann ja nich immer auswärts essen gehen. Zufällig Herrn Gaudi auf der Bank getroffen und konntr einen Blick auf seine neuen Werke werfen. Überal gibt es was zu sehen. Toll.
Später Besuch und Pilgersegen in der zweitgrößten und dennoch bedeutenden Kathedrale Isidoro, der Schutzheiligen der Pilger. Und wer den Segen erhalten hat, bekommt dann auch den Stempel im Pilgerpass ganz besonders in der Sakristei der Kirche. Vorher noch gemeinsam das Lied der Pilger singen und den Erklärungen des Priesters lauschen - alles in Spanisch. Insofern kam mir alles etwas spanisch vor. Also nichts verstanden.
Dann auf dem Rückweg noch meine lieben Pilgerfreunde getroffen. Markus und Klaus fragten auch nach einem gemeinsamen Bier. Gaby wird in Leon aufhören und zurück nach Holland fliegen. Also recht viel los. Da ich Essen gekauft hatte und müde war, bin ich dann zurück ins Hotel. Hier wurde meine kurze Jeanhose, die mehr einem Putzlappen glich, entsorgt. Dann schlafen, mal wieder in Ruhe und in einem gut gekühlten Raum.
Z
Tag 23: Mittwoch 8. Juli 2026, Leon nach San Martin der Caino, 26,02 km, 298 m brrgauf, 275 m bergab
Leon morgens wieder ganz früh. Gut ausgeschlafen in meinem kleinen, vollautomatisierten Hotel ging es wieder auf Tour. Sicherlich hätte man noch einen weiteren Tag in Leon verbringen können, aber der Camino ruft. Einige sind in Leon geblieben, so auch der Canadier Silian, den ich schon sehr lange immer wieder auf der Strecke oder abends getroffen habe. Manche verbringen einen weiteren Tag, manche fliegen nach Hause. Aber es kommen auch immer wieder neue Pilger hinzu, wie Steff aus Belgien, der wie ich in größeren Städten das Problem hat, den Camino zu finden. Entlang an den historischen Gebäuden, der Stadtmauer, am Kloster entlang und dann wieder ganz viel und lange Vorstadt, bis man dann endlich wieder auf den normalen Wegen geht, ohne permanent über die App verfolgen, ob man auf Abwegen ist. Steff, ein passionierter Wanderer und Outdoorfreak, trennt sich dann aber von mir, ich bin ihm wahrscheinlich zu langsam. Ich entscheide mich für den Weg entlang der Straße - es gibt auch einen weiteren Weg, entwas länger, durch's Bewaldete.
Es ist wieder brühend heiß. Aber es gibt auch schöne Seiten am Weg, der teilweise über keinerlei Schatten verfügt. Der Camino-Stein zeigt "nur noch" 300 km, interessante Häuser, die alten Kirchen mit den Storchennestern und auch ein Kollege der DHL musste wieder für ein Selfie herhalten. Ich glaube nicht dass er weiß, was das sollte. Dann wieder ganz viel Cafes, Zeit zum Verschnaufen, etwas Kühles zu trinken. Eine Dame aus Florida erscheint, fast halb verdurstet am Cafem komplett dehydriert, mit einer 0,5 Liter Flasche. An einem Tag wie diesen trinke ich mal so schlappe2-3 Liter auf dem Weg - später geht es weiter - mit Trinken.
Doch bevor ich die tolle Herberge in San Martin erreich, muss ich noch ein ca. 4,5 km schurstrackes Stück an einer Straße gehen, kein Schatten, nichts.
Aber die Herberge war schön, gutes Essen und Wein mit weiteren Pilgern, ein vollbelegter Schlafraum mit 4 Doppelbetten - aber auch eine Waschmaschin (musste mal wiedersein) und einen Pool. Später Einkaufen in einem gut 500 m entferntdn kleinen Markt. Auf dem Hinweg treffe ich Steff (so ist das hier auf dem Camino). Er ist mal die 4,5+0,5 km hierhergelaufen, um entwas einzukaufen. Er hätte sein Zelt an einem Camingplatz für 12 Euro aufgebaut. Muss jetzt wieder die gesamte Strecke zurück. Nunja, meine Herberge hat 18 Euro gekostet. Wer's mag.
Abends habe ich noch länger meine weitere Planung, Strecke, Herbergen, Buchungen gemacht und wollte, da ich gutes Internet hatte, noch etwas in mein Tagebuch schreiben. Musste aber nach draußen in den Garten, da der öffentliche Bereich gereinigt und abgeschlissen wird. Draußen traf ich Simon aus Dänemerk, der die Nacht über mir verbringen muss, im Etagenbett natürlich. Nach 5 Minuten mussten wir gehen, da wir total von Mücken gestochen wurden - ich habe heute noch immer die kleinen roten Flecken an Armen und Beinen. Die Mistfiecher. In der Herberge selbst schliefen wieder alle um 23 Uhr. Dann leise, ins Bett und schlafen. Gute Nacht.
Eine traurige Nachricht erhielt ich heute. Bob aus den USA, hier auf dem Bild mit seiner Frau Jeanine, ist heute auf der Wegstrecke nach O Cebreiro kurz vor der Herberge La Faba nicht weit von meinem Zielort an einem Herzinfakt gestorben. Das macht mich sehr traurig. Das Foto zeigt ihn nach einem gemeinsamen Stopp in einem Cafe gestern kurz vor Villafranca. Wir saßen anschließend noch gemeinsam in Villafranca und haben zusammen ein Bier getrunken. Abends trafen wir uns zufällig vor der Kirche und dann in einer kleinen Pizzeria. Und heute ist alles anders. Ich, wir alle Pilgrims, die ihn kannten, trauern um ihn. Er war ein freundlicher, offener und herzlicher Mensch. Mein Mitgefühl gilt seiner Frau, den beiden Kindern und seinen Enkelkindern.
Kommentare
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Lieber Papa,
Ich wünsche Dir weiterhin viel Erfolg auf dem Jakobsweg. Pass auf dich auf ❤️ und genieße die Zeit.
Ich bin sehr stolz auf dich! Bald hast du es endlich geschafft 😍
Ich hab dich lieb ❤️ -
Das ist ja sehr traurig, was ich da gelesen habe. Das geht mehr sehr nahe. Pass bitte gut auf dich auf. Ich möchte dich bald wiedersehen. Der Jakobsweg ist schon eine gewaltige Totour. Wir freuen uns alle wenn du wieder gesund nach Hause gekommen bist. LG von Jürgen, Phil und Roswitha
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Hallo Bernd!
Es ist immer wieder beeindruckend, deine täglichen Berichte zu lesen und sich die dazugehörigen Bilder anzusehen. Du kannst jetzt schon sehr stolz darauf sein, was du jeden Tag aufs Neue geleistet hast.
Noch eine Woche und du bist am Ziel.
Pass weiterhin gut auf dich auf!
Liebe Grüße Dennis -
Dem wackeren Pilger herzliche Grüße aus der Heimat und weiterhin e ultreia und e suseia!!!
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Hallo Bernd, heute ist Sonntag, hoffentlich auch für dich mal ein Ruhetag. Wir wünschen dir, dass du trotz der anstrengenden Strecken auch Zeit und Gelegenheit hast zu genießen. Liebe Grüße von Sabine und Volker
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Hallo Bernd, will mal wieder was von uns hören lassen. Sind heute von Tübingen nach Hause gekommen. Waren bei Leon. Hier war es auch sehr schön und angenehm warm, im Gegensatz in unserer Heimat. Wie geht es dir und bist du noch fit? Ist schon eine lange Zeit die du unterwegs bist. Bis bald mal wieder. LG von Jürgen und Roswitha
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Hallo Bernd, sehr schöne Idee Deine Reiseerlebnisse zu teilen. Ich bin Fan!Eine gute Zeit und pass auf Dich auf!
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Hallo Bernd
beeindruckend was du dir erwanderst. Danke, dass du uns daran teilhaben lässt.
Beste Grüße aus der Heimat
Manfred -
Hallo Bernd, vielen lieben Dank für die tollen Bilder und deine viele Berichte von dir. Freue mich jeden Abend sie zu lesen. Geht es dir noch gut und ist es immer noch so heiß. Liebe Grüße von Jürgen und deiner Schwester.
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Hallo Bernd, ich lese immer deine Tagesabläufe und freue mich das du uns daran teilnehmen lässt. Hoffe doch, das es dir noch gut geht? Viele liebe Grüße von Jürgen, Phil und natürlich von mir.
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Lieber Bernd,
heute war bislang der Tag mit sehr hohen Temperaturen am Gestüt.
Wieder haben wir alle Pferde gechont, mit kaltem Wasser abgespritzt und gefüttert.
Danach an Dich gedacht.
Ich wünsche Dir viel Wasser und einen Ruhetag in einem Gumpen gefüllt mit kühlem Wasser. -
Danke für die Eindrücke, lieber Bernd. Ich drücke dir weiterhin die Daumen. Julian halt mich auch auf den laufenden.
LG
Dimi -
Hallo Bernd,
die Pferde werden abgespritzt, ich wünsche
dass Dir dies auch geschieht!
Iris hat es möglich gemacht dass ich Dir einen Kommentar schreiben kann! -
Hallo Bernd, heute beim Essen im Posttower mit den ehemaligen Kolleginnen Michaela Lengemann und Vera Wustinger haben wir an dich gedacht. Ich hoffe, es stellen sich bei dir keine Knieprobleme ein und dass du auf deinem Weg noch viele schattige Waldstücke vor findest! Viel Mut und gute Begegnungen! E ultreia!! Esther
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Ganz herzliche Grüße und vielen Dank für die schönen Berichte und Bilder.
Pass auf dich auf, bei der Hitze.
Sabine und Volker -
Tolle Leistung und gute Berichte. Hoffentlich nicht zu heiß Gruß Gerd
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Hallo Bernd,
ich wünsche dir noch alles Gute und viel Kraft für die weitere Strecke, und denke immer daran „der Weg ist das Ziel“.
Lb Grüße Peter -
Lieber Bernd, danke, dass Du mich an Deiner Pilgerreise teilhaben lässt. Ich wünsche Dir weiterhin immer das, was Du in Deiner jeweiligen Situation gerade an Gutem brauchst und Gottes Schutz und Segen. Liebe Grüße Andrea
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Alles gute auf dem weiteren Weg. Schöne Bilder und Beschreibung.
Grüße Michael -
In Gedanken laufe ich mit
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Hallo Bernd, alles in Ordnung mit dir? Bist du noch fit? Bei uns ist es m Moment auch richtig warm. Gewitter gibt es fast jeden Tag. Lass es dir gutgehen. Ich denke oft an dich. LG deine Schwester Roswitha
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¡Hola! Bernd,
das sind ja ganz tolle Bilder in StPdP! Ich wünsche dir noch viel Spaß auf deinem Weg. Buen Camino!
LG Detlef -
Hallo Bruderherz, hoffe das es dir gut geht. Hast ja tolle Bilder gemacht. Schaue immer mal wie dein Tag verlaufen ist. Lass es dir gutgehen. LG Roswitha
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Hallo Bernd! Ich wünsche dir alles Gute bei deiner Wanderung und freue mich über viele Bilder von dir. Du schaffst das🍀😘
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Hallo Bernd ich wünsche dir alles Gute bei Deiner Wanderung des Jakobsweg
LG
Hans-Jürgen -
Hallo Bernd,
schön, dass Du uns hier teilhaben lässt! Ich wünsche Dir viel Durchhaltekraft und immer genügend Blasenpflaster!!
Liebe Grüße
Ingo -
Guten Start Bernd, das alles so gelingen mag wie du es dir vorstellst. Sonne wirst du ja haben und hoffentlich einen guten Start. Liebe Grüße Marita
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Respekt mein lieber Bernd, ich wünsche dir das es genauso gelingt wie du es dir vorstellst
Herzliche Grüße Dietmar